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Angst - Burnout - Überlastung

Wunderpflanze in idyllischer Umgebung

Die Wildbestände der Heilpflanze Rosenwurz sind gefährdet. Um sie zu schützen, hat die Forschungsanstalt Agroscope im Kanton Wallis erstmals eine anbaufähige Sorte der «Anti-Stress-Pflanze» gezüchtet. Der Drogistenstern hat die Plantage zur Blütezeit im Juni besucht.

Eine gefährlich schmale, steinige Strasse führt zur goldenen Wurzel, wie sie auch gerne genannt wird. Das Auto holpert, als wir uns der Parzelle nähern. Sie ist umgeben von saftigen Wiesen mit farbigen Blumen, reifen Tannen und Obstbäumen. Nur zwei kleine Chalets stehen in unmittelbarer Nähe, ansonsten Natur und Idylle pur. Der Blick auf die Walliser Berge lässt einen innehalten, direkt gegenüber liegt der Nobelskiort Verbier. In der beschaulichen Walliser Gemeinde Bruson, 1100 Meter über Meer, wächst sie, die erste züchtbare Form der Heilpflanze Rosenwurz. Auf einer Fläche von circa 200 Quadratmetern, neben anderen Arznei- und Gewürzpflanzen wie Pfefferminze, Schafgarbe und Salbei. Auch eine der symbolträchtigsten Alpenblume blüht hier in ihrer ganzen Schönheit: das Alpen-Edelweiss. José Vouillamoz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsanstalt Agroscope, führt uns zu den Rosenwurz-Gewäch- sen, die für die Saatgutproduktion der von Agroscope gezüchteten Sorte «Mattmark » kultiviert sind. «Die meisten Pflanzen enthalten weibliche und männliche Blüten und können sich selber bestäuben. Beim Rosenwurz sieht es anders aus: Hier haben wir nur eingeschlechtige Blüten, die durch Insekten gekreuzt und somit bestäubt werden müssen», erklärt er. Die beiden Geschlechter sind durch die Farben der Blüten gut zu unterscheiden. Während die weiblichen eher rötlich sind, haben die männlichen Blüten eine gelbe Farbe. Die Samen für die Heilmittelindustrie werden ausschliesslich von den weiblichen Pflanzen produziert. «Diese Parzelle liefert uns pro Jahr mehrere Tausend Samen », sagt Vouillamoz. Der Rosenwurz muss circa zweimal pro Woche bewässert werden, «viel wichtiger ist aber, die Pflanzen von Unkraut zu befreien, das ist der grösste Teil der Arbeit». Vouillamoz zeigt die kräftigen Wurzelstöcke der Pflanze, die etwa zehn bis zwanzig Zentimeter tief in der Erde gesetzt werden. Nur die Wurzelstöcke enthalten die Wirkstoffe des Rosenwurz (Salidrosid und Rosavin). Erst nach vier Jahren kann die erste Ernte gewonnen werden. Dann dauert es wiederum vier Jahre, bis

die Wurzelstöcke eine neue Ernte liefern können. Da sei der Gang in die Drogerie, in der die Heilpflanze bereits verarbeitet in unzähligen Präparaten vorkommt, doch einfacher, sagt Vouillamoz.

Hegen und pflegen
Die Samen werden nach der Ernte in abgepackten Säckchen an die Produzenten weiterverkauft. Auch Privatpersonen könnten die Pflanze im Prinzip anbauen. Es fragt sich aber, ob sich der Aufwand lohnt. Es braucht neben Geduld eine intensive und aufwendige Pflege», sagt Vouillamoz. Ausserdem sei nicht jeder Garten, jeder Standort für den Anbau geeignet: Ein alpines Klima, eine gute Sonneneinstrahlung, drainierte und ausreichend feuchte Böden sind beispielsweise wichtig, damit die Pflanze gesund gedeihen kann.



José Vouillamoz von der Forschungsanstalt Agroscope ist sichtlich stolz auf "seinen" Rosenwurz

Stresskiller par excellence
Dass die Nachfrage nach Rosenwurz auf der ganzen Welt weiter steigen wird, steht ausser Frage. Die Pflanze wirkt an-regend und wird bei Müdigkeit sowie Konzentrationsschwäche eingesetzt. Sie verbessert aber auch die innere Widerstandskraft und entspannt in Stresssituationen. So hat sich Rosenwurz in vielen Ländern als «Anti-Stress-Pflanze» etabliert, in Russland und in Skandinavien beispielsweise ist das Dickblattgewächs nicht mehr aus der traditionellen Medizin wegzudenken. Die perfekte Pflanze also für unsere hektische Zeit, in der die gesellschaftlichen Ansprüche immer mehr steigen, der Leistungsdruck zu-, die zur Verfügung stehende

Zeit aber abnimmt, während gleichzeitig mehr Output gefordert wird. Ausserdem treten immer häufiger stressbedingte Leiden und psychische Krankheiten wie innere Unruhe und Depressionen auf. Bis anhin wurden die Wurzelstöcke hauptsächlich in den alpinen und arktischen Gebieten Europas und Asiens gewonnen, wo die Pflanze häufig heimisch ist. «Oftmals sind die Pflanzen aber nicht homogen, die Inhaltsstoffe und deren Zusammensetzung unterscheiden sich je nach Standort und Herkunftsland», sagt Vouillamoz. Agroscope wollte darum in der Schweiz eine «reine», qualitativ hochstehende Pflanze züchten. Es geht aber auch darum, die Wildbestände zu schützen, denn durch die zunehmende Nachfrage sind diese längerfristig gefährdet. Um einen kräftigen und ertragsreichen Rosenwurz zu kultivieren, untersuchte Agroscope unterschiedliche Standorte im Schweizer Gebirge. Unter anderem im Tessin, im Kanton Uri, in Graubünden und im Wallis. Dort, in der Mattmark- Ebene oberhalb von Saas-Almagell, wuchs die beste Qualität. Deshalb heisst der gezüchtete Rosenwurz von Agroscope «Mattmark». Er enthält grosse Mengen an Salidrosid und Rosavin, beides Wirkstoffe, die adaptogen (stresslindernd) sind, praktisch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Dass die Zusammensetzung der schweizerischen «Mattmark» vielversprechend ist, zeigt das Interesse aus aller Welt. Erst kürzlich sei sogar eine Anfrage aus Kanada gekommen, sagt Vouillamoz: «Ein Produzent wollte 50 Hektaren Land mit der Sorte ‹Mattmark› anpflanzen. Dafür braucht er Hunderttausende von Samen. Solche Mengen können wir natürlich nicht liefern.» Auch Studierende aus dem Ausland besuchen die Parzelle im Wallis für Forschungszwecke und wissenschaftliche Studien. Es hat ein kleines Zimmer, in dem die Gäste übernachten können, ausserdem bietet das «Forschungschalet» gleich neben der Parzelle eine kleine Küche, ein Badezimmer, ein Büro und einen Sitzungsraum. «Somit könnte man hier auch ganz angenehme Ferien machen», sagt Vouillamoz mit einem Augenzwinkern. Dann steigt er wieder in sein Auto und fährt zurück in die Forschungsanstalt in Conthey, wo die Rosenwurz-Pflanzen und -Samen untersucht und weiterverarbeitet werden.

Text:
Denise Muchenberger

Fotos:
Corinne Futterlieb



Der Rosenwurz stammt aus arktischen Gebieten, die Pflanze wächst
und gedeiht aber auch im Wallis ganz wunderbar. In der Blütezeit
sind die weiblichen Blüten leuchtend gelb, wenn sie verblühen, verfärben
sie sich orange-rot.

 

Die Heilkraft des Rosenwurz
Zu viel Stress über eine längere Zeit kann schädlich sein. Helferinnen, neben Veränderungen im Alltag, können Extrakte der Heilpflanze Rosenwurz (Rhodiola rosea) sein.

Ursprünglich kommt der Rosenwurz aus arktischen Gebieten in Russland, Skandinavien sowie Asien. Dort kennt und schätzt man ihn seit Jahrhunderten. Mittlerweile ist die Pflanze aber auch in Zentraleuropa eine Helferin in der Not. Sogar Astronauten nutzen Rosenwurzextrakte, um besser mit den körperlichen und psychischen Belastungen im All umgehen zu können.

Schluss mit Stress
Stress wirkt besonders häufig negativ auf den Schlaf. Hinzu kommen oft Kopfschmerzen. Psychische Anzeichen sind meistens Konzentrationsprobleme, Unruhe, Gereiztheit, Angstzustände sowie schlechte Laune. Der Rosenwurz unterstützt Geist und Körper zugleich. Einerseits senkt er Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol, welche sich im Übermass negativ auf unser Herz-Kreislauf-System auswirken. Andererseits regt die Heilpflanze den Energiestoffwechsel an. Dies macht es möglich, in stressigen Situationen länger durchzuhalten. Rosenwurz gibt es als Tablette in der Drogerie. In den Präparaten stecken Extrakte aus dem Wurzelstock sowie den Wurzeln von Rhodiola rosea. Sie lindern schon nach kurzer Zeit Stresssymptome.

Grenzen und Risiken
Nicht empfohlen werden Produkte aus Rosenwurz bei Personen unter 18 Jahren, bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit. Wer zusätzlich andere Medikamente einnimmt, sollte sich vor der Einnahme von Rosenwurz professionell beraten lassen. Denn es besteht das Risiko, dass sich der Rosenwurz und das andere Medikament gegenseitig negativ beeinflussen.

Nicole Blatter

 
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